Kleiner Führer zur St. Clemens-Kirche in Horrheim

Urkundlich wurde der Ort Horrheim erstmalig 771 erwähnt. 

Den Namen erhielt die Kirche nach ihrem früheren Schutzpatron, dem heiligen Clemens, einem der ersten Päpste. Clemens I. soll der Legende nach wegen seines mutigen Einsatzes für die Belange der christlichen Gemeinde mit einem Anker um den Hals ins Meer gestürzt worden sein. Dieser Märtyrer gehört zu den fränkischen Heiligen der karolingischen Zeit. Clemens ist einer der Heiligen, deren Verehrung im Frankenland unter Karl dem Großen (742-814) begann.

Man kann also annehmen, dass es in Horrheim schon sehr früh eine Clemenskirche gegeben hat.

Diese erste Horrheimer Kirche muß wohl eine Holzkirche gewesen sein, die auf dem jetzigen Kirchplatz stand. Später wurde dann eine steinerne Kirche erbaut.

Die Jahreszahl der Erbauung unserer Kirche ist unbekannt, doch läßt das Gemisch aus romanischem und gotischen Baustil etwa das Jahr 1250 vermuten.

Im Blick auf den ältesten Teil der Kirche gehen die Meinungen auseinander. Die einen vermuten, dass es die Sakristei ist, andere meinen, dass der Chor zuerst erbaut wurde.

Fest steht, dass die erste Horrheimer Kirche eine Chorturmkirche war, also eine Kirche, deren Turm über dem Chorraum errichtet ist. An den quadratischen Chor mit Kreuzgewölbe wurde nach Westen hin ein Kirchenschiff angebaut, das maximal die doppelte Chorlänge hatte.

Der Dreiseitenschluß des Chores mit Strebepfeilern und besonderer Stütze mit Spitzbogen zum Gemeindehaus hin entstand in spätgotischer Zeit.

Der Turm erhielt eine charakteristische Veränderung, indem auf den quadratischen Stumpf – mit einem entsprechenden Übergang durch Eckschrägen – ein achteckiger Aufbau gesetzt wurde. Die Jahreszahl 1625 ist am Turm erkennbar.

Einige Besonderheiten:

Nur vom Chorraum gelangt man in die Sakristei. Auffallend sind reiche Steinmetzarbeiten, eine eichene Tür mit kunstvollem schmiedeeisernen Beschlag. Die Sakristei wurde 1960 restauriert.

Die Orgel mit kunstvollem Barockprospekt stammt aus dem Jahre 1768. Im Jahre 1971 wurde sie vollständig erneuert und erweitert (19 Register; Firma Rensch); der Prospekt wurde restauriert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dieser Arbeit war die Restaurierung des Chorraumes verbunden. Dabei kam die gesamte alte Gewölbemalerei in ihrer Farbenpracht und dem Blattwerk zum Vorschein.

Weiteres Suchen hatte Erfolg. Zuerst konnte an der Südwand des Chores ein Fragment (Engelsköpfe) freigelegt werden. Danach wurde an der Nordwand ein Halbkreisbild – eine echte kunstgeschichtliche Sensation – restauriert. Es zeigt die Segnung der gekrönten Maria durch Christus und wird in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert.

Jünger sind die Gemälde auf der Brüstung der Orgelempore (18. Jahrhundert). Sie zeigen Christus inmitten der 12 Apostel.

Der Taufstein und der Altar im Renaissancestil stammen aus dem Jahr 1599.

Zwei Grabsteine (neben der Kanzel und an der Kirchensüdwand) gehen zurück auf die Herren von Weihingen, dem Ortsadel von Weihingen, mit ihrer Burg südlich von Enzweihingen.

Das große Kruzifix stammt aus dem Jahr 1600, das kleine auf dem Altar von 1884, die Kanzel von 1892.

Innerhalb von 30 Jahren musste die Kirchengemeinde zweimal ihre Glocken zum Guss von Kanonen hergeben. 1954 konnte das frühere Geläut in den Tönen d’-g’-h’ wiederhergestellt werden. Die Dankglocke vervollständigte 1979 das vierstimmige Geläut.

 

Die vier Horrheimer Glocken:

Glocke Gussjahr, Ton, Gewicht Inschrift
Vaterunser-Glocke 1954, d', 1569 kg "O Land, Land, Land höre des Herrn Wort"
Bet-Glocke 1513, g', 573 kg "S. Laucas, S. Marcus, S. Matheus + S. Johannes + Bernhard Lachaman gos mich"
Dank-Glocke 1979, a', 486 kg "Wir danken dem Herrn von ganzem Herzen"; betende Hände
Tauf-Glocke 1954, h', 288 kg "Lasset die Kindlein zu mir kommen"

 

 

Auf einer Tafel in der Sakristei sind sämtliche Magister und Pfarrer vom Jahre 1558 an vermerkt.

Die Kirchenbücher beginnen im Jahre 1558.

Die letzten großen Renovierungen, bei denen teilweise der Versuch unternommen wurde, die frühere architektonische Form wiederherzustellen, fanden in den nachfolgenden Jahren statt:

Renovierung Jahr
Sakristei 1960
Kirchenschiff 1962
Turm (als der "schiefe Turm" blieb er als Wahrzeichen des Dorfes erhalten) 1964
Kirchplatz 1971
Außenwand der Kirche und Zifferblätter 1980
Kirchendach 1983

Nach dem Kauf und dem Abbruch einer Scheuer konnte das Gemeindehaus neben der Kirche errichtet werden. 1976 wurde es eingeweiht.

Der alte Bogen mit dem Durchgang zum Pfarrhaus blieb erhalten.

 

(Diese Angaben wurden verschiedenen Veröffentlichungen  -  insbesondere von Herrn Markus Otto, Bissingen - entnommen.)